Lehren aus dem Tod der HD-DVD
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Source: Lessons from the Death of HD-DVD Written by: Daniel Eran Dilger
Lehren aus dem Tod der HD-DVD Autor: Daniel Eran Dilger Übersetzung und Adaption: digital express Die letzten Monate zeigten den rasanten Fall der HD-DVD. Deren seinerzeit viel versprechende Marktposition – von seinen Fürsprechern als technisch überlegen, bedeutend preisgünstiger und weniger restriktiv beworben – zerfiel in einem bitter wirkenden, minutiös vollstreckten Todesurteil. Das Schicksal der HD-DVD war jedoch nicht so unvorhersehbar, wie es mancherorts dargestellt wird. Warum das Ende der HD-DVD nicht überraschend kam, was sich aus dem Tod des Formats lernen lässt und welche Folgen für Microsoft aus diesem Untergang erwachsen können, lesen Sie hier. Ein neuer Formatkrieg. Schon vor einem halben Jahr wurde hier über den Krieg zwischen HD-DVD und Blu-ray als ein Geplänkel am Rande des Spielekonsolenmarktes berichtet. Gegen Ende 2007 hatten es beide Lager nicht geschafft, mehr als ein paar Hunderttausend eigenständige Abspielsysteme auf den Markt zu bringen. Dieser Misserfolg wirkte wie eine Fortsetzung des Microsoft-Zune-Debakels. Während sich über 2007 hinweg eine schwindende Nachfrage nach eigenständigen HD-Abspielsystemen abzeichnete, warb Sony mit seinem in die PlayStation 3 integrierten Blu-ray-Player. Microsoft hielt mit der HD-DVD dagegen – einerseits mit den hierfür in Windows Vista integrierten Funktionen und andererseits als preiswerte externe HD-DVD-Erweiterung für die Xbox 360. Hierdurch entstand der Eindruck, dass Microsoft zusammen mit der HD-DVD einen starken Akzent im Markt setzen kann, mit der Monopolstellung von Microsoft Vista im Rücken. Sony und Microsoft kämpften mit ihren Verbündeten um die Marktführung, vergleichbar mit der Situation vor 5 Jahren, als Microsoft mit seinen PlaysForSure Windows Media Audio-Playern gegen Sony mit seiner ATRAC Walkman Hardware antrat. Beide Seiten verloren seinerzeit das Rennen gegen den iPod von Apple. Im aktuellen Kampf um HD-Video-Marktanteile versuchte Microsoft jetzt erneut, seine Software-Komponenten durchzusetzen. Sony wollte hingegen das seinerzeit als etwas komplizierter geltende Produktionsverfahren der Blu-ray-Disk etablieren und argumentierte mit der höheren Speicherkapazität gegenüber HD-DVD.
Blu-ray vs HD-DVD in Next Generation Game Consoles Der Ursprung des Formatkrieges. Warum liefern sich beide Unternehmen einen Kampf, anstatt miteinander zu kooperieren? Schließlich lagen die Interessen von Sony nicht im Bereich der Kompressionstechnologie und Microsoft hätte die Hardware doch egal sein können – tatsächlich arbeiteten Microsoft und Sony anfangs sogar zusammen. Während dieser Zeit lehnten aber andere mit Sony und Blu-ray kooperierende Partner Teile der von Microsoft gestellten Technologie ab, was Microsoft in grimmige Rivalität gegenüber Blu-ray trieb. Die Folgezeit war von den Bemühungen seitens Microsoft geprägt, die Implementierung der Windows-Media-Architektur und WinCE als wesentliche, urheberrechtlich geschützte Schwerpunkte voran zu treiben – und zwar für beide HD-Datenträgerformate. Obwohl Microsoft erfolgreich die Windows-Media-Technologie (auch als VC-1 bekannt) in die Spezifikationen für die Toshiba AOD und das Sony Blu-ray-Format festschreiben konnte, entschied sich das Blu-ray Konsortium nachträglich für eine von Sun entwickelte Java-basierte Lösung als Basis für die interaktive Menüstruktur des Mediums. Die Microsoft WinCE und HDi Technologie blieben aussen vor. Origins of the Blu-ray vs HD-DVD War Die frühe Spitzenposition der HD-DVD. Bereits 2003 hatte sich das DVD-Konsortium für das Toshiba AOD-Format als Nachfolger der DVD entschieden. Toshiba versprach, damit eher marktfähig zu sein als Sony mit Blu-ray. Das Konsortium veranlasste Toshiba, den Namen auf HD-DVD zu ändern, was die Nähe zur DVD zeigen sollte. Sony arbeitete derweil weiter am Blu-ray Format. Es sah seinerzeit so aus, als käme Sony trotz aller Bemühungen nicht so recht voran. Die besonders scharf fokussierenden Laser waren kostspielig, zudem zog Blu-ray erhebliche Investitionen im Bereich der Datenträgervervielfältigung nach sich. HD-DVD versprach hingegen einen schnelleren Weg zum Markt, Preisvorteile bei der Produktion der Abspielsysteme, eine schnelle Marktdurchdringung durch Unterstützung von Microsoft auf PCs und der Xbox 360. Microsoft hatte außerdem zum damaligen Zeitpunkt den Disney Geschäftsführer Michael Elsner von HDi und dem Windows-Rechtemanagement überzeugen können. Es schien, als hätte Microsoft die Zeit, Technologie und die geschäftlichen Rahmenbedingungen mit den Filmstudios auf seiner Seite – während Sony mit Blu-ray immer weiter ins Hintertreffen geriet, komplizierter wurde und die Unterstützung der Filmstudios verlor. Es waren dieselben Probleme, die auch für das Todesurteil der Sony UMD – einer proprietären Mini-DVD für die PlayStation Portable – verantwortlich waren. Immer häufiger wurde die Situation mit Betamax verglichen, das in den 80er Jahren gegen das VHS-System von JVC den Kürzeren zog, nach einem langen und für die Anwender in jeder Hinsicht unerfreulichen Formatkrieg.
Movie Studios vs. Consumers in Home Theater Die glückliche Wendung. Eine Kette industrieller Veränderungen schwächte die eingangs starke Position der HD-DVD, lange bevor der Markt eine eigene Entscheidung hätte treffen können. 2004 wurde MGM von Sony übernommen. Im darauf folgenden Jahr trennte sich Disney von Elsner und lockerte die geschäftlichen Verbindungen zu Microsoft. Disney entschied sich für Blu-ray. Ende 2004 wurde deutlich, dass Toshiba sein Versprechen nicht würde halten können, die Einführung der HD-DVD konnte nicht ein Jahr vor Blu-ray erfolgen. Trotz der offiziellen Unterstützung durch das Konsortium schlugen sich immer mehr Unternehmen auf die Seite des als zunehmend vertrauenswürdig geltenden Blu-ray. Sony hat Lizenzabkommen mit jedem namhaften Hersteller erarbeitet, Toshiba hingegen blieb der einzige nennenswerte Hersteller von HD-DVD-Laufwerken. 2005 bekam Toshiba zunehmend Schwierigkeiten mit der HD-DVD. Die für die Wiedergabe und das Microsoft HDi erforderlichen Komponenten verlangten die Leistung eines PC der Einsteigerklasse – was seinerzeit einem Materialeinsatz von 675 US $ entsprach. Toshiba legte bei der Hardware Geld dazu, um den Player zum marktgerechten Preis von 500 US $ zu verkaufen. Das Unternehmen stand kurz davor, die Fertigung einzustellen und sich dem Blu-ray-Konsortium anzuschließen, ließ sich aber von Microsoft zum Weitermachen bewegen. Die ersten HD-DVD-Player waren erst Anfang 2006 verfügbar. Wenige Wochen später kamen Blu-ray-Player auf den Markt, für um die 1.000 Dollar. Zum Jahresende bot Microsoft für 200 Dollar einen externen HD-DVD-Player für die Xbox 360 an, Sony führte die PlayStation 3 mit integriertem Blu-ray-Player ein. Five Ways Apple Will Change TV: 5 Eisner: the Bronfman of Movies HD-Kriegsspiele. Ende 2006 hatte Microsoft bereits 10 Millionen Exemplare der Xbox 360 in den Handel gedrückt, Sony hingegen nur einige Hunderttausend Einheiten seiner PS3. Allerdings lieferte Microsoft nur eine überschaubare Zahl seiner optionalen HD-DVD-Player an die Xbox Anwender, wohingegen jede PS3 über eine Blu-ray-Abspielmöglichkeit verfügte. Im Vergleich zu anderen eigenständigen HD-Playern war die Sony PS3 nicht nur das günstigste Abspielsystem, mit ihr ließen sich darüber hinaus auch noch ganz andere Dinge machen, beispielsweise per Internet – von den Möglichkeiten als Spielkonsole einmal ganz abgesehen. 2007 war Sony mit 6,5 Millionen PS3 seinem Konkurrenten Microsoft (7,3 Millionen Xbox 360) schon ziemlich dicht auf den Fersen. Und: Jede PS3 konnte Blu-ray-Filme abspielen, während sich nur wenige Microsoft Anwender für die kostenpflichtige HD-DVD-Option entschieden. Im Handel wurde die Entscheidung zugunsten der PS3 immer öfter im Hinblick auf die vergleichsweise günstige HD-Abspielmöglichkeit getroffen. Es war letztendlich die im Markt befindliche Menge der zu Blu-ray kompatiblen Player, die dem Format zum Durchbruch verhalfen. Mit den paar Hunderttausend anderweitig verkauften HD-Playern wäre dies nicht möglich gewesen.
Video Game Consoles 2007: Wii, PS3 and the Death of Microsoft’s Xbox 360 Krieg gegen Microsoft. Während mit der PS3 das Blu-ray-Format in die Zielgerade einbog, hatte Sony alle wichtigen Hersteller im Windschatten – Microsoft, Intel und Toshiba blieben unter sich und fuhren hinterher. Es gab keine reale Chancen für den Sieg der HD-DVD. Dies war kein Formatkrieg mehr, wie seinerzeit zwischen Betamax und VHS. Es ging vielmehr um die Zukunft der Kompressionstechnologie und der Entwicklung von interaktiven Komponenten. Es war eine Schlacht um Software und offene Märkte – weit über das Thema HD-Filmwiedergabe hinaus reichend. Unternehmen wie Apple und Sun zeigten kein Interesse an der Herstellung oder Vermarktung von HD-Material, waren sich außerdem als Gegner der HD-DVD darin einig, Microsoft bei seinen Bemühungen um die Monopolstellung bei der Kompressionstechnologie und der Software für die interaktiven Elemente nicht zu unterstützen. Generell hatte sich die Industrie zum Ziel gesetzt, sich von der Abhängigkeit der von Microsoft kontrollierten Standards zu lösen. 1998, also schon vor 10 Jahren, haben Apple, Sun, IBM, Netscape, Oracle und Silicon Graphics gemeinsam die QuickTime Technologie gegen das Microsoft ASF als neuen Container für den MPEG-4-Standard verteidigt. Mitglieder des ISO-Konsortiums gaben nachträglich QuickTime gegenüber ASF den Vorzug und leisteten damit einer Entwicklung Vorschub, die in offene Standards für die Kodierung unterschiedlicher Medien für unterschiedliche Einsatzbereiche (mobil, Datenträger oder HD-Distribution) mündeten. Im Ergebnis liegt jetzt eine genormte und unternehmensübergreifend gepflegte Kompressionstechnologie vor, die nicht an ein spezifisches Unternehmen gebunden ist. Seitdem hat Microsoft einiges unternommen, ASF wieder nach vorne zu bringen und MPEG-4 dabei zu behindern – es wurde sogar ein eigenes MPEG-4-Derivat unter dem Namen Windows Media 9 entwickelt. Microsoft scheute auch keine Mühen, seine proprietäte Kompressionstechnologie bei den mobilen MP3 Playern zu etablieren. Nachdem aber alle Anstrengungen scheiterten, hat Microsoft seine WM9-Technologie im Rahmen einer fragwürdigen Aktion als VC-1 Standard veröffentlicht und über eine Gruppe zertifizierter „Partner“ befürworten lassen – übrigens allesamt im Besitz von Microsoft oder an maßgeblicher Stelle von Microsoft dirigiert. Keine dieser Anstrengungen vermochte darüber hinweg zu täuschen, dass Microsoft an einer Wiederholung im Bereich Medien daran interessiert war, was seinerzeit mit dem PC so gut funktioniert hat: Nachbau existierender Technologie, Hinzufügen proprietärer Ankerpunkte, zurücklehnen und von der Software-Industrie kassieren – ohne den Wert des Produktes zu steigern. Nachdem sich die Industrie nun bereits mehrfach die Finger verbrennen durfte, kann die Reaktion kaum verwundern: Es wird scharf geschossen, wenn Microsoft sich positioniert, um Innovation und Fortschritt zu versklaven.
Microsoft’s Plot to Kill QuickTime Vernebelungstaktik Neben der seit 2005 deutlich erkennbaren Fürsprache für das Blu-ray-Format seitens der Filmstudios und Hersteller und der zunehmenden Präsenz der Blu-ray Player in den PS3 Konsolen blieb dem Lager rund um die HD-DVD kaum Handlungsspielraum. Die Unterstützung der HD-DVD durch Windows Vista und die Xbox 360 hatte nur eingeschränkten Effekt, weil die Verkaufszahlen von Vista nicht den Erwartungen entsprachen. Außerdem wies die Absatzkurve der Xbox 360 steil nach unten und brach 2007 um ein Drittel ein. Sony schoss seine PS3 mit dem Booster-Triebwerk Blu-ray in den Orbit – Microsoft hingegen wurde an seiner HD-DVD die Sandsäcke nicht los: Vista und die Xbox 360. Apple, Nintendo und Sony setzten viel daran, OpenGL gegen den Microsoft Standard DirectX zu positionieren. Die Video-Industrie setzte sich für ISO-Standards, MPEG-4 H.264 und die AAC-Technologie ein – beflügelt durch den Erfolg des Apple iTunes Angebots – und widersetzte sich den proprietären WMA und WMV/VC-1 Codecs von Microsoft. Im letzten Schritt fiel die Entscheidung zugunsten von Java, weil verantwortliche Industriezweige die Microsoft-Lösung für die interaktiven Elemente ablehnten. Das HD-DVD-Format starb, weil sich die Industrie einig darüber war, dass ein proprietäres Monster keine Daseinsberechtigung hat. Es war kein Kampf um ein einfaches Dateiformat – es ging um Microsoft-Software, die Versklavung von Anwendern, Studios und Programmierern. Die Öffentlichkeit bekam davon so gut wie nichts mit. Unablässig war Microsoft dabei, eine Kampagne zu füttern, die glauben machen sollte, dass die HD-DVD preisgünstig, nach allen Seiten offen und inhaltlich breiter gefächert sei. Den Presswerken wurden Argumente an die Hand gegeben, die HD-DVD als das preisgünstiger zu produzierende Format hinzustellen, über China seien zudem in absehbarer Zeit extrem günstige Player zu haben und darüber hinaus sei das Rechtemanagement der HD-DVD einfacher im Umgang als bei der Blu-ray. Alles etwas an der Wahrheit vorbei. Wenn sich Microsoft mit der Realität konfrontiert sieht – nämlich der Tatsache, dass es sich um ein Unternehmen handelt, welches minderwertige Technologie mit proprietären Standards versieht (was als Rechtfertigung zur Preisbildung angesehen wird) – dann versteckt sich das Unternehmen hinter einem Rauchvorhang und erklärt, dass es mit marktbereitender Technologie aufwartet, unterstützt von Billiganbietern aus China. Gleichzeitig setzt das Unternehmen Zeichen mit verspätet eingeführten, suboptimalen Produkten und mit hohen Folgekosten für deren Pflege. Der Support hat große Mühe, die Fakten im Verborgenen zu lassen, speziell wenn Microsoft Preiserhöhungen an mangelhaften, wettbewerbsfreien Produkten vornimmt, wie etwa bei Windows Vista. Why Microsoft’s Copy-Killing Has Reached a Dead End Gebeugte Realität. Trotz seitens der Industrie signalisierter Unterstützung des Blu-ray-Formats hat Microsoft intensiv die Illusion genährt, die HD-DVD sei das bessere Produkt. Die HD-DVD war für Microsoft strategisch wichtig, um VC-1 und HDi nach vorne zu bringen. Mit WinCE blickte man schon auf Misserfolge bei Smartphones und Handheld-Computern zurück, ganz zu schweigen vom Scheitern des Download-Formats Windows Media – hier dominiert heute der ISO-Standard, AAC und H.264, sehr populär durch das Apple iTunes Angebot. In einem letzten Akt der Verzweiflung werden Paramount and DreamWorks als neue Exklusivpartner vor die HD-DVD gespannt. Das spaltet die Filmindustrie in zwei Lager, wobei Warner Bros. als einziges Studio seine Filme in beiden Formaten anbietet. Microsofts kriegsverlängernde Aktivitäten hatten nichts mit der Frage nach richtiger Hardware oder dem Filmangebot zu tun, im Vordergrund stand allein das Interesse an der Vermarktung eigener, proprietärer Software. Natürlich waren die interessierten Kunden aufgrund der formatbedingten Diskussion verunsichert, was sich in schwindender Nachfrage ausdrückte. Kurz vor der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas zog schließlich Warner Interactive nach einer Kooperationsabsage von Microsoft die HD-DVD-Notbremse und zog damit auch den Stecker für das von Microsoft geplante Marketing während der Show. Hiermit wurde auch öffentlich der Wendepunkt eingeläutet und in geradezu enthusiastisch anmutender Weise stellte sich die Industrie hinter Blu-ray. Handelsketten wie WalMart, die Filmverleih-Branche mit Blockbuster und Netflix, letztendlich auch Toshiba als Hersteller der Hardware. Was der Tod der HD-DVD bedeutet. HD-DVD ist tot – im selben Moment gestorben sind die Hoffungen von Microsoft, an der hierfür notwendigen Injektion eigener proprietärer Software und Media-Entwicklung zu partizipieren. Es ist ein vernichtender Schlag gegen VC-1; obwohl Bestandteil des Blu-ray-Standards neben ISO H.264, entscheiden sich die meisten Entwickler für H.264, weil damit neben dem Mastering in HD-Qualität auch für unterschiedliche Übertragungswege und Ausgabesysteme komfortabel codiert werden kann – beispielsweise für die PSP oder den iPod. Der Tod der HD-DVD liefert weitere Anhaltspunkte für die bei Microsoft nachlassende Kraft, eigene proprietäre Standards über sein Windows-Monopol zu etablieren. Der in Vista integrierte HD-DVD-Support hat nicht in gewünschter Weise das Format unterstützen können, auch die Formatbindung an die Xbox 360 konnte nicht in der Weise greifen, wie von Microsoft gewünscht. In den 90er Jahren wurde Microsoft durch Hilfe einiger loyaler Experten und eine praktisch unverwundbare Aura geschützt. Kleine Firmen wurden bezwungen, Rivalen aufgekauft und zerschlagen, selbst Partnern ging es an die Kehle, innovative Jungunternehmer wurden aus dem Geschäft gedrängt. Nach außen sah es dabei immer so aus, als käme es auf die Fortführung starker Partnerschaften an. In den letzten 10 Jahren ist dieses Bild jedoch nach einer Reihe aufsehenerregender Misserfolge brüchig geworden: WinCE war zwar hilfreich, um Palm zu vernichten – aber seitdem gibt es keinen Entwicklungsfortschritt mehr zu verzeichnen, das Produkt entfernt sich vom Markt, nimmt mittlerweile einen zunehmend irrelevanten 3. Platz im Marktsegment der Smartphones ein. Ähnlich irrelevant verhält es sich bei den Handhelds, für das es ursprünglich entwickelt wurde und wo es sich als „Eingebettetes System“ nicht hat behaupten können. Microsoft verlagerte seine UMPC Planungen zu Gunsten herkömmlicher Windows-Versionen, auch die Hoffnungen für WinCE auf der Spielekonsole erfüllten sich nicht. Der kürzliche Zukauf von Sidekick-Distributor Danger dürfte wohl eher in die Richtung zielen, von der dort entwickelten Java-Technologie zu partizipieren. Wenn Microsoft schon selbst dafür sorgt, dass WinCE vom Markt verschwindet, wofür sind dann noch Partner nötig? Windows XP war stets die Standardwahl für PC-Anwender, aber als Microsoft begann, über aufgepropfte visuelle Effekte das Betriebssystem als Vista teurer zu verkaufen, kam der Wunsch nach dem Update zur Vorversion auf. Microsoft verkauft immer noch Vista an die Hersteller – aber Firmen und Privatpersonen installieren Windows XP. Microsoft fehlt somit der Hebel im Markt für die Durchsetzung neuer proprietärer Standards oder die Preisanhebung für Leistungsmerkmale, die es einst in Form kostenloser Netzwerkdienste gab. Die Xbox 360 hatte im Jahr der Einführung großen Erfolg, konnte jedoch nicht an den Erfolg der Sony PS2 anknüpfen. Im zweiten Jahr lagen die Verkaufszahlen ca. ein Drittel über denen des Vorjahres, sanken dann aber wieder um ein Drittel ab, weil sich das Interesse auf die Sony PS3 und Nintendo Wii verlagerte. Die Wii glänzte 2007 gegenüber der 360 mit besseren Zahlen und die PS3 konnte auf Steinwurfnähe aufholen. [Update: Die PS3 hat auch die Verkaufszahlen der 360 zu Beginn des zweiten Jahres übertroffen.] Beim Blick nach vorn ist nicht davon auszugehen, dass sich die Situation für die Xbox 360 dramatisch ändern wird, zumal ein rückläufiger Verkauf schon jetzt zu beobachten ist, trotz Einführung interessanter Spiele. Im Gegensatz hierzu steht die Entwicklung der Sony PS2. Nach einem schwachen Start im ersten Jahr war 2001 und 2002 ein bemerkenswertes Wachstum zu verzeichnen mit jährlichen Verkaufszahlen weit oberhalb der besten Ergebnisse der Xbox 360 aus dem Jahr 2006. Insgesamt wurden durchschnittlich 16,8 Millionen Stück pro Jahr über sieben Jahre hinweg verkauft. Sony plant eine identisch lange Verkaufsperiode für die PS3, während Microsoft sich schwer tut, einen längeren Zeitraum als vier Jahre zu prognostizieren. Die 360 kommt exakt dann in die Wechseljahre, wenn die PS3 im Elan ihrer Sturm- und Drangzeit schwelgt. Die Kraft der Microsoft-Monopolstellung schwindet und damit auch die Fähigkeit zur Bildung von Partnerschaften, die nicht im Widerspruch zum eigenen Geschäftsfeld stehen, letztendlich werden sich auch exklusive Bündnisse auflösen. Die Hardware-Partner haben sich über fruchtlose Bemühungen mit WinCE, desktop Windows, PlaysForSure und HD-DVD aufgerieben, das drückt zukünftigen Partnerschaften mit Microsoft eher den Stempel einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf, statt den einer geschäftlich kalkulierbaren Perspektive. The Spectacular Failure of WinCE and Windows Mobile Windows 95 and Vista: Why 2007 Won’t Be Like 1995 Fehlinformation als Mittel zum Zweck. Zunehmend wird klar, wo die Quelle für die Argumente der Microsoft-treuen Gemeinde zu liegen scheint. Neue Versprechen bezogen ihre Kraft aus Gerüchten um billige Hardware aus China, neuen Kooperationsvereinbarungen, die kurz vor dem Abschluss stünden oder der schier unendlichen Kraft des Windows - Jene Zusicherungen begleiteten nicht nur die Einführung und das Versagen der HD-DVD, sie begleiteten auch das Versagen des Zune, der ursprünglich zusammen mit Toshiba die Welt erobern und sich als chinesische Massenware neben Windows und der Xbox etablieren sollte. Das tatsächlich Marktgeschehen ist anders. Beispielsweise sah sich MTV schnell genötigt, aus dem mit Microsoft vereinbarten Vertriebskonzept zum konkurrierenden Real Rhapsody Music Store zu wechseln, und Microsoft befand es auch nicht für notwendig, über eine Integration des Zune bei der Xbox 360 nachzudenken. Why Microsoft’s Zune is Still Failing Rise of the iTunes Killers Myth Das Ende der Gaukelei. Die Realität zeigt eine für Microsoft bestehende Notwendigkeit, Berichte zu verfälschen und Zahlen zu färben, weil die Realität nicht in ausreichendem Maß die Illusion einer unzweifelhaften Microsoft-Marktmacht dokumentiert. Das Unternehmen zeigt Schwäche im Bereich der Unterhaltungselektronik, mit jedem Jahr steigen die Verluste und sinkt die Fähigkeit zu beeindrucken. Mit sinkenden Verkaufszahlen wird die 360 nicht den Abstand zur PS3 halten können. Nach dem Tod der HD-DVD wird sich Microsoft nicht in den Vertrieb um die Medien und die Produktion einbringen können. Mit leuchtend roten Zahlen beim Zune wird Apple sein iPod-Standbein nicht ausgerechnet an das Unternehmen verlieren, welches schon vor einiger Zeit mit seinen PlaysForSure-Partnern versagt hat. Der Tod der HD-DVD sagt mehr über Microsoft und seine Zukunft, als von den gängigen Medien wahrgenommen wird. Es war kein Formatkrieg, es war ein Kulturkrieg zwischen einem Unternehmensverbund, der sich der Fortführung partnerschaftlicher Zusammenarbeit verschrieben hat – und einem Einzelunternehmen mit dem Ziel, alles zu bekommen und wenig davon zu teilen. Es ist leicht nachvollziehbar, dass sich verletzte und misshandelte Ex-Partner von Microsoft mit einer gemeinsamen und offenen Lösung aufgestellt haben, statt in weitere Schmerzen mit Microsoft und dort gefesselte Technologie zu investieren. Das sind keine guten Nachrichten für ein Unternehmen, dessen Existenzgrundlage ausschließlich darin besteht, Lizenzinhaber von drittklassigen Produktideen zu sein. Der Tod der HD-DVD ist eine weitere tödliche Wunde im sterbenden Microsoft-Imperium. |







